• Kevin Drewes

Ralph Siegel: Meisterlicher Streich - „Zeppelin“-Weltpremiere bot ganz großes Kino

Ralph Siegel hat schon mit einigen großen Stars gearbeitet und alles erreicht. Längst ist er einer der größten Komponisten Deutschlands. Eigentlich könnte er sich daher auch entspannt zur Ruhe setzen. Doch eine Sache ließ ihn schon ewig nicht los: Die Begeisterung über Zeppeline. Nun war es so weit. Nach fünf Jahren und vielen Hürden hat Ralph Siegel sein Meisterwerk abgeliefert. „Zeppelin“ – Das Musical feierte am 16. Oktober seine Welturaufführung im schönen Festspielhaus Neuschwanstein. Der ganz große Traum von einem eigenen Stück wurde wahr. Es herrschte Broadway-Feeling. Und das mitten im Allgäu.


Meisterwerk aus zwei Handlungssträngen

„Zeppelin“ hat gleich zwei Handlungsstränge, deren Szenen im stetigen, unregelmäßigen Wechsel zueinander erfolgen. Zum einen geht es um das Leben und die Visionen des Grafen Ferdinand von Zeppelin, zum anderen um den Flug der Hindenburg, dessen tragische Geschichte bis heute nachwirkt. Bei der Premiere teilten sich Tim Wilhelm und Patrick Stanke die Hauptrolle des Grafen. Erstgenannter bewies, dass er auch auf der Musicalbühne erstklassige Qualitäten hat. Der Sänger der Münchener Freiheit klagte ergreifend authentisch und stimmlich stark den (Un-)Sinn des Krieges an - und zeigte im Duett mit der unverändert überzeugenden Musical-Legende Uwe Kröger eine flotte Fechtszene, das harmonische Zusammenspiel der Beiden beeindruckte und macht Lust auf mehr (Anm. d. Red: Interview zu Zukunftsplänen folgt!). Das Stück entfaltet nach und nach seine ganze Spannung, mit allem, was ganz großes Kino auszeichnet. Dabei schafft man es, dass das rund dreistündige Werk ohne große Längen auskommt. Der vielversprechende Auftakt erntet schon nach den ersten Szenen riesigen Applaus. Grund ist die gemeinsame Performance der sehr talentierten Nachwuchs-Künstler um Annika Ludwig, die gemeinsam „Schmetterling flieg zum Himmel“ singen.



"Zeppelin" scheut sich nicht vor kritischen Botschaften

Mitreißend erleben die Zuschauer, wie Graf Zeppelin trotz Rückschläge seinen großen Traum nie aufgibt. Dabei ist es seine Isabella (gespielt von Stefanie Gröning) die ihm immer wieder Antrieb gibt. Das von beiden Schauspielern gesanglich auf sehr hohem Niveau befindliche Duett „Wo du bist, will ich sein“ ist derart atmosphärisch in Szene gesetzt, dass die Begeisterung im Saal kaum Grenzen kannte. Neben den schönen Seiten des Lebens zeigt „Zeppelin“ aber auch ganz deutlich, welch dunkle Zeiten es Ende des 18. Jahrhunderts gab. So greift man den Sezessionskrieg auf, ohne bei den Szenen auf Weichzeichner zu setzen. Die ohnehin schon sehr intensiven Momente werden mit einem großartigen Soundtrack gekrönt. „Der Sinn des Krieges (Wozu sind denn Kriege da?)“ wird sowohl auf englisch als auch deutsch vom Ensemble performt. Die Botschaft des Titels ist sehr kritisch und zeitlos. Denn Krieg ergibt nie Sinn.



Sigmar Solbach mit Schlüsselrolle

Sigmar Solbach als Dr. Hugo Eckener hat in „Zeppelin“ eine der wichtigsten Rollen erhalten und stellt das Bindeglied zwischen den beiden Handlungsfäden dar. Es ist so etwas wie die gute Seele des Stücks. Wie in der wahren Historie ist er es, der dafür sorgt, dass der Graf Zeppelin seine Visionen in die Tat umsetzt. Nach seinem Tod führte Eckener das Erbe fort und schrieb Geschichte. Zudem ist die Rolle von Sigmar Solbach die Einzige, die in beiden Teilen des Musicals vorkommt. Auch in der Story um die Hindenburg nimmt er eine wichtige Rolle ein...



Große Palette an Emotionen

In dem Part um die Hindenburg gibt es die volle Bandbreite an Emotionen. Für gute Laune sorgt unter anderem der Titel „Auf das Wohl der Passagiere“. Diese Auflockerungen sind auch wichtig, den gerade der Handlungsstrang um den Flug des Zeppelins bietet stellenweise harten Tobak. So spielt Hannes Staffler seine Rolle als fanatischer Nazi Lutz Grivius derart gut, dass man nur den Hut ziehen kann. Auch die damalige Macht der NSS wird mit einer großen Intensität dargestellt. Die starke Frau des Stücks ist ganz klar die österreichische Sängerin Emmy Berg, gespielt von Tanja Petrassek. Sowohl schauspielerisch als auch musikalisch bietet sie eine enorm beeindruckende Vorstellung. Bei solch einem hochkarätigen Ensemble ein Highlight hervorzuheben, fällt schwer. Doch ein Song ging ganz besonders unter die Haut, gerade auch kompositorisch und textlich: Bei„Ich hab gelebt“. war Gänsehaut garantiert. Patrick Stanke sang den Titel mit beachtlicher Intensität, was das Publikum mit langem Szenenapplaus belohnte.

Beeindruckende Bühnenbilder

„Zeppelin“ schafft es, die ganzen Möglichkeiten von einer der größten Theaterbühnen Europas vollkommen auszureizen. Dabei geizt man nicht mit Special Effekts und Bühnenbildern. Allein der Zeppelin, der durch den Saal schwebt, ist beeindruckend. Auch die Inszenierung der Szenen ist auf höchstem Niveau. Teilweise weiß man als Zuschauer kaum, wohin man schauen soll. Hier ist „Don’t you know New York“ als einer der stärksten Bühnenbilder hervorzuheben. Das große Finale ist dann an Dramatik kaum noch zu überbieten und bildet den perfekten Abschluss eines Musicals, das ganz sicher einen Platz am Broadway verdient hätte. Dies ist auch ein großer Traum von Ralph Siegel. Ob es so kommt, steht auf einem noch nicht geschriebenen Blatt. Fakt ist jedoch, dass interessierte Fans der gepflegten Unterhaltung nun erst einmal bis Juli 2022 die Möglichkeit haben, sich dieses imposante Meisterwerk selbst anzusehen. Tickets gibt es hier. https://das-festspielhaus.de/programm/zeppelin-das-musical/


Markus Söder ehrt Ralph Siegel

Die Geschichte des Grafen hat sicherlich nicht zufällig einige Parallelen mit „Zeppelin“-Schöpfer Ralf Siegel. Auch er hat, entgegen vieler Stolpersteine, seinen Traum wahr werden lassen. So musste das Stück zweimal wegen Corona verschoben werden. Selbst der Sponsor sprang ab. Ralph Siegel hat alles auf eine Karte gesetzt und selbst tief in die Tasche gegriffen. Seit ganzen fünf. Jahren fieberte er daraufhin, das Stück zum Leben zu erwecken, recherchierte intensiv und schuf fiktive Charaktere, die sich hervorragend mit den wahren Ereignissen verknüpfen. Nun wünscht man ihm von Herzen, dass „Zeppelin“ hoch emporsteigt und gewürdigt wird. In jedem Fall war der Saal am Premierenabend restlos begeistert. Darunter waren unter anderem Katja Ebstein, Karl König (der schon weit vor Showbeginn mit seinem ikonischen Mikrofon für Unterhaltung sorgte), Misha Kovar, Dennis Ebbecke, Matthias Distel (alias Ikke Hüftgold), Michael Holm, Maria Furtwängler und Markus Söder, der in einer Rede Ralph Siegel gar als Musik-Titan bezeichnete.