• Kevin Drewes

Matthias Reim: SO klingt sein neues Werk "MATTHIAS"



Heute am 14. Januar war es soweit: Fans bekommen mit dem persönlichsten Werk der Karriere des Vollblutmusikers endlich Neues auf die Ohren. "MATTHIAS" enthält dreizehn Titel, wovon vier bereits im Vorfeld erschienen sind: "Acht Milliarden Träumer", "4 Uhr 30", "Kindertraum" sowie "Nächsten Sommer", der mit dem "2022 Edit" einen neuen Remix spendiert bekommt. Aufgrund der weiterhin anhaltenden Corona-Pandemie ist der Song auch immer noch sehr aktuell und sendet Hoffnung. Doch wie klingen die anderen neun Titel? Lasst uns gemeinsam auf die Reise gehen...


Wie auf jedem Album von Matthias Reim geht es auch in diesem Werk natürlich um die Liebe. "Bon Voyage" zum Beispiel. Dieser handelt von Abschied. Die Zeile "Ein Lächeln, ein Kuss und ein Adieu" machen deutlich, dass es Aus ist. Damit hat er schwer zu kämpfen und sieht ihr aus dem Fenster noch hinterher. Er sieht ein, dass Liebe kein Käfig ist. Dennoch ist er sicher, dass sie irgendwann zurück kommt. Ob es so kommen wird? Das lässt der Song offen. Dieser präsentiert sich als schneller, moderner Titel, der die Backgroundchöre sehr dezent und platziert einsetzt. Liebe kann oft nicht einfach sein, das besingt "Du liebst mich auch". In diesem hat er sich völlig in sie verknallt. Doch diese Liebe ist ganz offensichtlich einseitig, was ihn "absolut verwirrt". Das unterstreichen die Zeilen "Ich dacht du liebst mich auch" sowie "dein Blick war doch unmissverständlich". Endgültig zu klingeln scheint es, als er merkt, dass sie ihm eine falsche Nummer gab. Der starke, rockige Song ist geprägt von Gitarrenriffs und Drum-Einsätzen. Besonders Erstgenannte sind sehr präsent, als Highlight gibt es auch ein starkes Gitarrensolo oben drauf. Eine gewisse musikalische Ähnlichkeit zum Titel "Deep Purple und Led Zeppelin" vom Vorgängeralbum "MR20" ist dabei nicht von der Hand zu weisen, gerade zu Beginn.


Ganz anders klingt "Blaulicht". Dieser bietet tiefe, kräftige Bässe und einen schnellen, poppigen Sound. Darin geht es um einen Mann, der von seiner großen Liebe seit dem ersten Treffen völlig vernarrt ist. Er starrt nur noch auf sein Handy, "wie ein Psychopath". Keine Frage, er hofft, dass sie ihn anruft und sagt, dass er vorbeikommen soll. Die Zeile "Doch dies mal bist du es wirklich" macht deutlich, dass sein Wunsch sich erfüllt und das Warten belohnt wird. "Über rote Ampel durch die Nacht" rast er zu ihr und geht volles Risiko. Passend zum Titel erklingen auch immer wieder Sirenen im Hintergrund des Songs, was dem Song noch mehr Ausdrucksstärke beschert. Auch "Paranoid" ist ein ausgefallener Lovesong. In diesem glaubte er nie an die große Liebe, bis es ihn dann doch erwischte. Und das so richtig. So sehr, dass er Angst hat, sie zu verlieren. Überall sieht er Konkurrenten. Offensichtlich weiß er zudem ganz genau, dass sie viele andere Männer haben könnte. "Paranoid" ist geprägt von kräftigen Gitarrenriffs und bietet einen schnellen Sound. Ein echter Kracher.


"Schick mir einen Engel" ist ein weiterer Liebessong. Er ist eigentlich in einer glücklichen Beziehung, wie die Zeilen "Hab alles was ich brauch" sowie "Ich liebe und geliebt werde ich auch" unterstreichen. Doch eine Andere könnte all das in Gefahr bringen. Sie ist "schön wie die Sünde". Daher erbittet er Hilfe vom lieben Gott: "Schick mir einen Engel, der mich heut Nacht vor ihr bewahrt". Auch hier dominieren kräftige Beats und ein schneller Sound. Die Chöre bilden einen weiteren Mehrwert, während im letzten Drittel noch powervolle Gitarrenriffs hinzu kommen. Erinnerungen an den Klassiker "Hallelujah (Ein Engel ist hier)" werden beim Hören wach. In diesem geht um einen einsamen Wolf, der in den Kneipen "von Frau zu Frau" unterwegs ist und die Eine sucht, die ihn nicht zur Hölle fahren lässt. Ein absolutes Highlight auf "MATTHIAS" ist der ganz persönliche Song "Typisch anders". In diesem blickt er zurück: "So viele Jahre sind wir jetzt schon ein Paar" und doch lieben sie sich wie am ersten Tag. Der melancholische Titel ist voller Ehrfurcht und Dankbarkeit. So fragt er sich: "Wer hat mich mit dir gesegnet?" Dabei ist er sicher:"So eine wie dich findet man nur einmal". Keine Frage, sie tut ihm gut. Der melancholische Titel geht unter die Haut und ist eine echte Rock-Ballade. Einfühlsam besingt Matthias Reim die große Liebe. Dabei nimmt der Song im letzten Drittel kurzzeitig das Tempo raus, ehe das imposante Finale einsetzt. Ganz große Klasse!


"MATTHIAS" nimmt die Fans mit auf eine Reise. Und das auch in die Welt des Reggae. "Gar nichts" ist ein sehr ungewöhnlicher Matthias Reim - Song, der überraschend viel Spaß macht. Locker leicht besingt er in dem Titel, dass er einfach mal nichts tun will. Das unterstreicht die Zeile "Heute häng ich ab". Ein richtig cooles Experiment, das aufgeht. Eine weitere Überraschung ist der Ausflug in die Welt des Folk-Rocks. Als bekannt wurde, dass der Schlagerstar ein Duett mit Versengold macht, hatten nicht wenige Fans der Band Bedenken. Wie sich nun herausstellt, ist es dabei jedoch Matthias Reim, der Gast in DEREN Musikausrichtung ist. Der Titel könnte dabei kaum treffender sein und wurde auch von Malte Hoyer, dem Frontmann der norddeutschen Band, mitgeschrieben. "Reise um die Welt" weckt Aufbruchsstimmung. "Angetrieben nur vom Bauchgefühl" ziehen sie einfach los. "Am Horizont wartet unser Glück" besingt Malte zuversichtlich. Raus aus der Tristesse, hinein ins Abenteuer, das ist die Message. "Komm wir fahren aus dem Dauerregen" deutet dies passend an. Reisen ist ein unbezahlbares Gefühl von Freiheit. Und wer träumt nicht davon, einfach loszuziehen? Da zu bleiben, wo es einem gefällt? Und ist es nicht immer wieder spannend, neue Länder und Kulturen zu erleben? Ein Song, der gerade in diesen Zeiten Balsam für die Seele ist und so richtig Lust macht, wieder loszuziehen.


Abgerundet wird das großartige Album von "Reisen durch die Zeit". Einem weiteren einzigartigen Song. In diesem outet sich Matthias Reim als großer Fan von der Netflix-Serie "Stranger Things", die bekanntlich in den 80ern spielt: "Gestern Abend hatte ich 'nen Serienmarathon" und weiter '...Stranger Things' geguckt" Dabei wird tatsächlich auch der Soundtrack der Serie in dem Titel von Matthias Reim für einige Sekunden angeteasert. Völlig gefesselt vom "Retroflash" gibt er zu: "Ich musste weiterschauen". Erinnerungen in ihm werden wach: "Ich war doch mit dir da" und weiter "vor so vielen Jahren in Amerika" ist er sicher. Auch bei diesem Song ist sein Stil unverkennbar, allein wie Matthias in dem Song detailliert Dinge beschreibt: Die Zeile "Ich 22, und du 19, glaube ich" ist ein Musterbeispiel vom besonderen Schreibstil des Künstlers. Und mit "MATTHIAS" erleben wir einen noch stärkeren Matthias Reim, als auf dem Vorgänger "MR20", welcher bekanntlich bärenstark war. Anteil an diesem großartigen Werk hat auch Tim Peters, der an ganzen fünf von dreizehn Titeln beteiligt war: Während das Multitalent die Songs "Bon Voyage" sowie "Nächsten Sommer" mitproduzierte, war Tim bei "Blaulicht", "Schick mir einen Engel" sowie "4 Uhr 30" zusätzlich auch am Writing beteiligt.