• Kevin Drewes

Exklusiv-Interview: Mave O' Rick auf den Spuren von Kurt Cobain


© Moritz Schleiffelder

Kürzlich veranstaltete der vielseitige Künstler Mave O'Rick sein erstes "Tohuwabohu" in Landau (Pfalz). Die umjubelte Premiere zeigte, dass sein besonderes Konzept funktioniert (mehr dazu erfahrt ihr im ausführlichen Eventbericht. Der rasende Reporter sprach mit Mave über das titelgebende Album und den Songs.


Rasender Reporter: Mit „Tohuwabohu“ brachtest du 2021 ein Album raus, dass sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Ganz allgemein: Wie wichtig ist es deiner Meinung nach, gerade in der heutigen Zeit, so zu bleiben wie man ist? Egal was die anderen sagen?


Mave o‘ Rick: „Für mich ist als Künstler immer wichtig, Künstler zu sein und das authentisch. Weil ich mir immer alles selbst erdenke. Ich habe Niemanden, der mir Texte schreibt und das will ich auch gar nicht. Es gibt Menschen, die Interpreten sind. Das ist auch gut so. Und es gibt Künstler. Und dieser sollte immer authentisch sein. Kurt Cobain sagte einmal: ‚Ich werde lieber für das gehasst, was ich bin, als für das geliebt zu werden, was ich nicht bin‘.


Rasender Reporter: Auf deinem Album sind viele klasse Songs, einen davon hast du dabei schon vor sehr vielen Jahren aufgenommen – „Grunge“. Wie kam es dazu, dass er nun gerade auf diesem Werk ist? Ich hörte, er erhielt dabei auch eine Art Frischzellenkur?


Mave o‘ Rick: „Ja, tatsächlich ist es ein Song aus den 90ern, den Saskia (Anm. der Redaktion: Band-Partnerin von Mave in den 90'ern) geschrieben hat. Als ich mir Gedanken für das Album machte, fand ich diese CD wieder, die wir damals aufnahmen. Das war die Erste, wo meine Stimme drauf zu hören war. Ich hatte dann Bock, den auf Deutsch zu machen und sie angerufen. „Kannste machen“, sagte Saskia. Daraufhin fragte ich sie ehrlich, warum wir das nicht zusammen machen. Wir haben den Text dann neu geschrieben und der Stefan hat ihn produziert.“


Rasender Reporter: „Tohuwabohu“ ist ein Album, dass einerseits vor Lockerheit nur so sprüht, anderseits aber auch teilweise sehr ernste Hintergründe hat. So zum Beispiel „Freiheit und „Berlin“. Die NS-Zeit war unfassbar schlimm. Glaubst, du so etwas könnte heutzutage nochmal passieren?


Mave o‘ Rick: Ich finde, es passiert gerade. Es steht Jedem frei zu überlegen, was ich damit meine. Das spezielle Thema Berlin bezieht sich aber auch auf das Thema Juden. Berlin war ein Song, der mir sehr am Herzen lag, weil ich das Berlin der 20er mit dem der 90er Jahre verglichen habe – Marlene Dietrichs Jugend und meiner Jugend. Das war mir sehr wichtig, die Parallele aufzuzeigen. Die Juden haben in Deutschland, grad in Berlin, im Jahr 2020 keine gute Zeit und sie hatten es damals auch nicht mehr. Und deswegen ist dieser Song gespickt mit Worten, die aus dem Jüdischen kommen. Tohuwabohu ist auch eines. Ja, ich will damit auch auf etwas aufmerksam machen, was mich in diesem Land stört.


Rasender Reporter: Dein Live-Programm bricht mit einigen Standards und hat es so auch noch nicht gegeben, so geht die Tracklist von hinten nach vorne. Wie lange hast du an „Tohuwabohu Live“ gearbeitet?


Mave o‘ Rick: „44 Jahre (lacht). Nein, ernsthaft - zwei Jahre. Am Anfang des Lockdowns bin ich durch die Weinberge spaziert und hatte dieses „Tohuwabohu“-Album schon angefangen zu produzieren, hatte zuvor aber noch keinen Namen dafür. Da kam mir Dieser dann. Es war immer mein Traum, ein Programm dafür zu machen, hatte aber noch keinen Partner dafür. Da habe ich Lars einfach gefragt, ob er Bock hat mitzumachen. Das war ein Glücksfall.“